Abenteuer Neue Musik

Abenteuer Neue Musik

Autorin:Silke Egeler-Wittmann

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Zeitgemäß und aktuell widmet sich „Abenteuer Neue Musik“ den Möglichkeiten der Vermittlung Neuer Musik, die einfach zugänglich unter www.abenteuer-neue-musik.de im Internet präsentiert werden. Zu den dort veröffentlichten Materialien gehören viele Gestaltungsaufgaben, die einen komponierenden Zugang zu Werken Neuer Musik ermöglichen.

Abenteuer Neue Musik wurde im Jahr 2007 gemeinsam vom Deutschen Musikrat, dem Label WERGO, den pädagogischen Zeitschriften von SchottMusic und nmz-Media entwickelt und will die Auseinandersetzung mit Neuer Musik in Schule, Musikschule und auch in der Erwachsenenbildung befördern und nachhaltig unterstützen. Es ist gekoppelt an die CD-Veröffentlichungen der „Edition Zeitgenössische Musik“ des Deutschen Musikrats, einer singulären CD-Reihe, die inzwischen mehr als 100 Veröffentlichungen umfasst. Sie dokumentiert die „ganz neue“ Musik einer jungen Generation von Komponistinnen und Komponisten.

Vielfältige und praxiserprobte Materialien

Alle halbe Jahre werden von erfahrenen Musikpädagoginnen und Musikpädagogen Projekte zur Vermittlung Neuer Musik präsentiert, dabei vielfältige didaktische Vorschläge gemacht und Materialien zur Verfügung gestellt, die allesamt im Unterricht mit Schülerinnen und Schülern erprobt wurden und zur Nachahmung einladen. Angeboten werden Hörbeispiele, Interviews und Diskurse mit den Komponistinnen und Komponisten und anderen Beteiligten, dazu vielfältige Höraufgaben und geeignete Vorschläge für die experimentelle musikalische Gestaltungsarbeit mit variablen Besetzungen, anregende Arbeitsblätter, Filmausschnitte von Unterrichts- und Erarbeitungssituationen sowie von Aufführungen und von der Zusammenarbeit zwischen Komponist bzw. Komponistin und Schülerinnen und Schülern. Ziel des Projekts ist es, Lehrkräften notwendige Informationen und Kenntnisse zum praxisorientierten Umgang mit Neuer Musik zu vermitteln und Mut zu machen, neue Wege zu gehen. Die auf der Seite Abenteuer Neue Musik veröffentlichten Praxisprojekte wurden an allgemeinbildenden Schulen, in der Erwachsenenbildung, in der Musikschule und in der Arbeit mit jüngeren Kindern in Grundschule und Sekundarstufe I durchgeführt.

Die Projekte

Die Projekte präsentieren jeweils sehr unterschiedliche und gleichermaßen vielseitige Zugänge zu den jeweiligen Kompositionen, von denen hier einige exemplarisch skizziert werden:

Markus Hechtles Stück „screen“ für Ensemble und Verstärker, 2001 im Auftrag des Ensemble Modern entstanden, war Ausgangspunkt eines Gruppenkompositionsprojektes mit Schülern der 9a des Leininger-Gynmasiums in Grünstadt unter der Leitung von Silke Egeler-Wittmann. Schwerpunkt war hier das musikalisch-handelnde Nachvollziehen von Elementen der Komposition mit einem eigenen Instrument und die Gestaltung und Realisation einer eigenen Komposition, ausgehend von dem zuvor bei Hechtle kennengelernten Material.

Das Thema des Fallens, betrachtet aus unterschiedlichen Perspektiven und kreativ umgesetzt mit darstellerischen, literarischen, bildnerischen und musikalischen Mitteln, bot Zugang zu Carsten Hennigs Werk Kadenzes – 13 Fälle“. Die beiden beteiligten Lehrer François Förstel und Karin Sousa (Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen) realisierten das Unterrichtsprojekt „Fallmusiken“, das Schülern der Klassen 7 und 9 mit dem jungen Dresdner Komponisten zusammen brachte. Neben einer pantomimischen Hinführung zu vier zentralen musikalischen Motiven aus Kadenzes kamen experimentelle Gestaltungsübungen mit Murmeln, Steinen und Bällen zum Einsatz, die sich auch auf andere Kontexte übertragen lassen.

Die Schüler der Klasse 11aM und die Arbeitsgemeinschaft Klangbaustelle des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut setzten sich unter Anleitung von Matthias Handschick mit dem Stück Versatzstücke“ für Klavier und Zuspielband von Orm Finnendahl auseinander. Dabei galt es eine Hörhaltung zu entwickeln, die sich von der üblichen, durch den Gebrauch der Massenmedien bestimmten ästhetischen Alltagspraxis der Schülerinnen und Schüler unterscheidet. Ausgehend von Finnendahls Idee, wurden verschiedenste klangliche Materialien und elementare musikalische Strukturen zu Versatzstücken: Aufnahmen von Klängen aus der Küche, aus dem Internet heruntergeladene Ausschnitte aus Politikerreden, ebenso wie eine am Instrument gespielte chromatische Tonleiter abwärts oder ein Decrescendo. In der kompositorischen Bearbeitung in den Gruppen war es Handschick wichtig, den Schülerinnen und Schülern einen Horizont zu öffnen für „die Möglichkeiten der Differenzierung von Klangfarbe, Dichte und Intensität sowie in Bezug auf die Möglichkeit, durch klare Materialdisposition und Selbstbeschränkung bei der Auswahl der Verarbeitungstechniken Stringenz und Zusammenhang zu erzielen“.

Die KompositionMusic for five stringed instruments“ von Jay Schwartz diente als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle für das Projekt, das Dr. Philipp Schäffler mit Schülerinnen und Schülern einer 10. Klasse am Christlichen Gymnasium in Jena durchführte. Vor dem Kompositionsprozess, auf den sich die Beteiligten im Laufe des Projektes einließen, stand das mit verschiedenen Methoden angeleitete Hören im Mittelpunkt. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler Schwartz Verfahrensweise nachvollziehen, die von verzerrten und trotzdem für sie nicht völlig fremden elektronischen Klängen ausgeht, um dann wiederum zu einer ganz anders klingenden instrumentalen Version zurückzukehren. Angeregt durch das spannende Projekt organisierte die Schulklasse in Eigeninitiative ein Wandelkonzert im gesamten Schulhaus, wo sie ihre Kompositionen präsentierte und den Besuchern den Sinn und Zweck des Projektes erläuterte, verbunden mit der Aufforderung, sich auf das Abenteuer Neue Musik einzulassen.

Mit einer 7. Klasse des Hans-Thoma-Gymnasiums Lörrach erarbeitete Matthias Handschick Zugänge zu Arnulf Herrmanns fünfsätzigem Werk für Ensemble „Fiktive Tänze“. Von vier sehr unterschiedlichen Richtungen her verlief hier die Annäherung an das Stück: Eine Annäherung über das Hören, wo mithilfe von Brainstormings und Hörkritzeleien das umfangreiche und komplexe Stück erfassbar gemacht wurde. Eine Annäherung über die Bewegung, um die in Herrmanns Tänzen verwendeten komplexen Rhythmen in der eigenen Körperwahrnehmung erfahrbar zu machen. Hierfür entwickelte Handschick fantasievolle Bewegungsspiele. Eine Annäherung über die musikalische Improvisation, in der die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen mit Mikrointervallen und der Klavierpräparation gewinnen konnten. Eine Annäherung über die Partitur, wobei im spielerischen Umgang die komplexe Legende und Zeichenvielfalt dieser zeitgenössischen Komposition handelnd erfahrbar gemacht wurde.

Weitere Projekte zu anderen Werken Neuer Musik (u.a. von Saed Haddad, Wolgang Rihm, Márton Illés, Annesley Black,  Vito Zuraj, Luis Antunes Pena, Simon Stehen-Andersen und Lisa Streich) sind bereits veröffentlicht und finden sich, wie die oben beschriebenen, auf der Seite von Abenteuer Neue Musik.

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